Gesund kommunizieren statt krankreden (2/2)

Arzt-Patienten-Gespraech

Im ersten Teil unseres Beitrags zur Arzt-Patienten-Kommunikation haben wir uns mit typischen Problemzonen im Gespräch zwischen Arzt und Patient befasst. Oft drücken sich Ärzte unverständlich aus, gebrauchen zu viele Fachwörter und vergewissern sich zu wenig, ob der Patient verstanden hat. Umgekehrt neigen Patienten nicht selten dazu, sich hierarchisch allzu sehr dem ,Experten‘ unterzuordnen und trauen sich zu wenig, Fragen zu stellen. Wir wollen in diesem zweiten Teil nun konkrete Ideen liefern, wie die Kommunikation zwischen Arzt und Patient in der täglichen Praxis verbessert werden könnte und sollte.

Der Ton macht die Musik: Neurolinguistik und Psychologie im Arzt-Patienten-Gespräch

Wir haben am Fallbeispiel im ersten Teil gesehen, was eine einzige ungünstig gewählte Formulierung manchmal auslösen kann. Dabei ließen sich durch ein paar kommunikative Kniffe nicht nur für die Patientin, sondern auch für die beteiligten Ärzte Kosten und Mühen sparen. In die ärztliche Behandlung könnten – und sollten – zum Beispiel kommunikative Methoden aus dem sogenannten Neurolinguistischen Programmieren [NLP] integriert werden.

Das würde in unserem Beispiel bedeuten: Die Ängste und Sorgen der Patientin werden vom Arzt angenommen, aber über bestimmte Techniken der wertschätzenden Kommunikation in Motivation umgewandelt. Ein ganz entscheidendes Element in der Kommunikation ist das Kalibrieren über die Sprachmuster der Patientin, das Mitgehen in ihre Welt, um dann die therapeutische Führung zu übernehmen und das eigentliche gesundheitliche Problem anzugehen.

Wenn wir die Sprache als ebenso wirksames Instrument ansehen
wie ein Skalpell, messerscharf geschliffen, dann sollten wir
den Umgang damit ebenso in die ärztliche Ausbildung
integrieren wie den Umgang mit dem Operationsmesser.

Es macht einen Unterschied, ob ich sage »Die Schulter ist kaputt« oder »Wir werden gemeinsam einen Weg finden, um Ihre Schulter wieder in Bewegung zu bringen, und ich habe auch schon eine Idee, wie«. Es ist nicht egal, ob ich sage »Sie haben Krebs, wir müssen operieren und bestrahlen, Ihr Testament haben Sie hoffentlich schon gemacht« oder ob ich sage »Wir haben in Ihrer Gewebeprobe Tumorzellen gefunden, die auf unterschiedliche Art behandelt werden können, und wir setzen uns jetzt mal zusammen und planen, wie Sie wieder gesund werden können«.

Es bedeutet für den Arzt keinen nennenswert höheren zeitlichen Aufwand, solche positiven, motivierenden Formulierungen zu verwenden. Und die Patienten werden es ihm danken!

»Der Kunde ist König« – und der Patient einfach ein Leidender?

Ein ausschlaggebender Faktor ist vielleicht auch die Sichtweise, die ein Arzt auf seine Patienten hat. Patient kommt von lateinisch patiens und bedeutet wörtlich also Leidender. In der altertümlichen Auffassung vom Arzt-Patienten-Verhältnis und der Funktion des Arztes mag dies auch zutreffen: Ein Mensch wird dann zum Patienten, wenn er ein Leiden hat. Er geht zum Arzt, wenn es ihm schlecht geht, ihm etwas wehtut. Vom Arzt bekommt er dann, ohne groß gefragt zu werden, eine Spritze oder Tabletten verschrieben, und wenn das nicht hilft – ja, dann muss das wohl an den Genen liegen.

Arzt erklärt dem Patienten seine Befunde

Der mündige Patient möchte mitreden. Schließlich geht es in der ärztlichen Sprechstunde um ihn! [Bild © WavebreakMediaMicro / Fotolia]

Diese veraltete Auffassung findet sich heute zum Glück nur noch in sehr wenigen Köpfen. Vielmehr findet seit etwa 20 Jahren ein Wandel statt von dieser sogenannten patriarchischen zu einer partnerschaftlichen Medizin. Patienten haben zunehmend das Bedürfnis, mitzureden, zu verstehen, was der Arzt tut und warum er es tut. Viel stärker als früher ist aktuellen Umfragen zufolge das Bedürfnis nach Information, und viel erfolgreicher sind nachgewiesenermaßen Arzt-Patienten-Gespräche, in denen beide Sprecher auf Augenhöhe miteinander reden. Dennoch tun sich nicht wenige Ärzte nach wie vor schwer damit, ihr Wissen – in verständlicher Form – weiterzugeben.

Chancen von Schriftlichkeit in der Arzt-Patienten-Kommunikation

Ein weiterer Ansatz zur Optimierung der Kommunikation wäre auch die Ergänzung des mündlichen Gesprächs zwischen Arzt und Patient durch schriftliche Materialien verschiedener Art. Die Möglichkeiten sind grundsätzlich so vielseitig wie ihre Effekte: Faltblätter, Informations- oder Image-Broschüren, Zeitschriften, aussagekräftige und informative Internetpräsenzen, regelmäßige Rundbriefe [elektronisch oder per Post] – die Palette der nutzbaren Medien stellt heute ein unglaubliches Repertoire an Möglichkeiten zur gezielten Informationsweitergabe zur Verfügung.

Durch Informationsbroschüren oder interessante Zeitschriften
wird das Wissen des Patienten sinnvoll und gezielt erweitert.

Durch Herausgabe schriftlicher Informationsmaterialien kann der Arzt das [Vor-] Wissen des Patienten erweitern und so das Gespräch in der Sprechstunde sinnvoll ergänzen. Durch die Lektüre beispielsweise einer Praxisbroschüre im Wartezimmer wird der Patient bereits vor dem Gespräch mit dem Arzt über dessen Arbeitsphilosophie und Behandlungsschwerpunkte informiert. So kommt er vorbereitet in die Sprechstunde und kann sowohl die eigene Erwartungshaltung entsprechend anpassen als auch die Erwartungshaltung des Arztes einschätzen.

Durch die Lektüre von Zeitschriften oder Informationsblättern zu allgemeinen gesundheitlich relevanten Themen [z. B. bestimmte Krankheitsbilder, Möglichkeiten der Vorsorge], die der Arzt in seiner Praxis auslegt und idealerweise zudem auf seiner Internetseite bereitstellt, kann der Patient sich bereits im Vorfeld seines Arztbesuchs zum Beispiel über die eigene Erkrankung informieren. So kann er seine Empfindungen mit den vom Arzt gegebenen Informationen abgleichen und später im Gespräch mit dem Arzt sein Anliegen präziser kommunizieren.

Schriftliche Materialien wie Informationsbroschüren tragen
zu einer effektiveren und effizienteren Kommunikation
zwischen Arzt und Patient bei.

Schriftliche Materialien in der Arzt-Patienten-Kommunikation haben also enormes Potenzial. Sie können bei sinnvollem Einsatz das [Kommunikations-] Verhältnis zwischen Arzt und Patient effizienter gestalten und ggf. für beide Seiten zu einer Zeit- bzw. Aufwandsersparnis führen. Leider zeigt der Blick in viele Wartezimmer, dass sich unter der dort zur Verfügung stehenden Lektüre häufig vor allem eines findet: Werbematerial pharmazeutischer Unternehmen. Dieses zu ergänzen – oder zu ersetzen – durch interessante, fachkundige, aktuelle Informationen, zusammengestellt von genau der Person, der die Patienten gleich gegenübersitzen werden – das scheint ein Schritt zu sein, mit dem sich viele Ärzte noch schwertun. Gleichwohl wären die Konsequenzen nicht nur für die Patienten, sondern auch für den Arzt selbst von unschätzbarem Wert. Die Praxis zeigt es!

Kategorie Diskussion, Gesundheit

Laurenz ist schon gut rumgekommen in Westfalen: Geboren im Sauerland und aufgewachsen in Paderborn, zog es ihn zum Studium endlich hinaus in die weite Welt – zuerst nach Dortmund, dann nach Münster. Zu Hause is eben schön. Watt willste machen. Trotzdem ist Laurenz auch oft in der Weltgeschichte unterwegs und bereist als Tourist und Musiker regelmäßig die schönen Orte und Bühnen Europas.

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